4. September 2017

'Ab geht die Lucie' ist Landessieger des Deutschen Nachbarschaftspreises 2017!



1300 tolle Projekte haben sich deutschlandweit für den Nachbarschaftspreis 2017 der nebenan-stiftung  beworben. Wir freuen uns jetzt irre, dass wir mit der Lucie zum Landessieger Bremen gekührt wurden!
„Nachbarn erobern sich ihre Stadt zurück – so geht kreative Stadtentwicklung mit gemeinsamen Engagement im Viertel.“ 
sagt Benjamin Jürgens, Geschäftsführer Gastrolotsen gGmbH und Mitglied der Landesjury des Deutschen Nachbarschaftspreises 2017.
Ja, so geht kreative Stadtentwicklung. Und wir freuen uns sehr, dass wir genau dafür ausgezeichnet werden. Für unser Engagement und Herzblut für die Lucie.

Wir erhalten ein Preisgeld von 2000€, die wir grad sehr gut für all unsere anstehenden Projekte auf dem Platz gebrauchen können. Am 13. September werden dann auch die 3 Bundessieger gekührt und wir drücken unserem Projekt einfach mal die Daumen und hoffen ein bisschen und fahren dann wohl mal nach Berlin!  Aber wer immer gewinnen wird, es sind alles tolle Projekte! Ist doch allein schon toll eines dieser Projekte zu sein!



Alle Landessieger stellen ihr jeweiliges Projekt unter www.nachbarschaftspreis.de vor, unser Projekt ist über den Link www.nachbarschaftspreis.de/bremen zu finden.

Ein Hoch auf nachbarschaftliches Engagement!

1. September 2017

Stellenauschreibung Offene Klimawerkstatt

Netzwerker/in für nachbarschaftliches Klimaschutzprojekt mit offener Werkstatt und Reparaturcafé


Mit deiner Bereitschaft auf Menschen zuzugehen, deiner Erfahrung in Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit und durch dein Organisationstalent wollen wir gerne unser Projekt verstärken!

Zu uns

Der gemeinnützige Verein KulturPflanzen e.V. wurde 2013 gegründet und ist aus der Initiative "Ab geht die Lucie" entstanden, die seit fünf Jahren einen ökologischen Gemeinschaftsgarten auf dem Lucie-Flechtmann-Platz in Bremen betreibt. Ziel dabei ist es, auf niedrigschwellige Weise Begegnung und Austausch im Stadtteil zu fördern, Alternativen zu unserer ressourcenintensiven Konsumgesellschaft aufzuzeigen sowie Menschen zu motivieren, umzudenken, selbst aktiv zu werden und sich für eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadtentwicklung einzusetzen. Das Projekt ist facettenreich und entwickelt sich stetig weiter.

Angrenzend an den Gemeinschaftsgarten haben wir nun Räumlichkeiten angemietet, in denen in den kommenden 2 Jahren unter dem Thema ‚Klimaschutz in der Nachbarschaft‘ eine offene (Klima)werkstatt mit integriertem Reparatur-Café und einer Materialsammlung betrieben werden soll. Die Ideen und die konkreten Ziele des Bildungsraums „offene Klimawerkstatt“ sind:

  1. Einen praxisorientierten, alltagsbezogenen Bildungsraum zu schaffen, in dem Menschen durch die Bereitstellung von nötigem Werkzeug und unter entsprechender Anleitung dazu befähigt und motiviert werden, Dinge selbst zu reparieren, wiederaufzuwerten (Upcycling) oder nachhaltige Ideen zu entwickeln und umzusetzen.
  2. Menschen dazu zu befähigen, den eigenen Lebensstil suffizient und klimaverträglich auszurichten, indem durch Begegnung, Austausch und „Selbermachen“ Wege hin zu einem ökologisch verträglichen und zukunftsfähigen Alltagsverhalten kennengelernt und ausprobiert werden können.
  3. Niedrigschwellig über städtische Klimaanpassungsmaßnahmen zu informieren, für ihre Notwendigkeit zu sensibilisieren und einen Austauschort hierfür zu schaffen.

Deine Aufgaben

  • Mithilfe beim Aufbau und Betrieb der offenen Werkstatt und Materialsammlung
  • Aufbau von Netzwerken in der Nachbarschaft mit bereits bestehenden Einrichtungen im Quartier und anderen themenverwandten Initiativen
  • Planung und Durchführung von Mobilisierungsarbeit/Kampagnen zur Belebung der Klimawerkstatt durch eigenständige Nachbarschaftsprojekte
  • Konzeption und Umsetzung von Fundraising-Maßnahmen
  • Ausarbeitung von Verstetigungskonzepten
  • Unterstützung bei der Betreuung der Homepage, des Blogs und der Ausarbeitung von Flyern
  • Betreuung von Bundesfreiwilligendienstleistenden

Dein Profil

  • Du bist kommunikativ, engagiert und neugierig
  • Du arbeitest selbstständig, strukturiert, lösungsorientiert und bist dennoch ebenso teamorientiert
  • Du hast bereits Erfahrungen in selbstorganisierter Projektarbeit gesammelt
  • Du bist mit den verschiedenen Instrumenten der Öffentlichkeitsarbeit off- und online vertraut
  • Du bringst erste Erfahrungen in der Umsetzung von Kampagnen mit
  • Neben aller konzeptionellen Arbeit kannst du auch „anpacken“
  • Du identifizierst dich stark mit den Zielen und Werten des KulturPflanzen e.V.
  • Wünschenswert ist Erfahrung in der Konzeption, Umsetzung und Steuerung von Fundraising-Maßnahmen
  • Handwerkliches Geschick ist ebenfalls wünschenswert

Wir bieten

  • ein Beschäftigungsverhältnis im Umfang von 20 Std./Woche vom 01.10.2017 (frühester möglicherer Beschäftigungsbeginn) bis zum 31.08.2019
  • Vergütung angelehnt an den TV-L Stufe 11 E2
  • eine sinnhafte und erfüllende Tätigkeit bei einem innovativen und zukunftsweisenden Klimaschutzprojekt
  • ein abwechslungsreiches Aufgabenfeld mit Arbeitsplatz in Bremen
  • ein angenehmes Arbeitsklima sowie eigenständiges und verantwortungsvolles Arbeiten in einem engagierten Team
  • flexible Arbeitszeiten

Wenn Du an dieser Stelle interessiert bist, sende deine Bewerbungsunterlagen bis zum 17.September 2017 entweder per Email in einem einzelnen PDF-Dokument an mail@lucie-bremen.de
oder postalisch an
KulturPflanzen e.V., Grünenstraße 17, 28199 Bremen.

Für Rückfragen stehen wir gerne per Mail zur Verfügung. Bewerbungsgespräche werden voraussichtlich in der 38. KW stattfinden.
Weitere Informationen zum Projekt und zum Verein findest du unter www.lucie-bremen.de

Wir freuen uns auf deine Bewerbung!
Die Lucies

25. August 2017

Große Neuigkeiten


Das Pflaster kommt weg!


In diesem Jahr ist es auf dem Lucie-Blog etwas ruhiger als sonst. Der Grund dafür ist aber nicht, dass wenig auf der Lucie passiert - ganz im Gegenteil: Es passiert soviel, dass wir nicht mehr hinterherkommen, davon zu berichten. Zwei Entwicklungen müsst ihr nun unbedingt erfahren - ausführlichere Infos gibt es in Kürze:

1) Die Lucie-Umgestaltung kommt diesen Winter!

Wir haben uns mit der Stadtgemeinde Bremen auf einen Nutzungsvertrag geeinigt. Darin ist geregelt, wer in Zukunft (nach der Umgestaltung) welche Aufgaben auf der Lucie übernehmen wird. Damit kann die Umgestaltung losgehen und das Pflaster kommt weg! :) Bis November werden wir den Platz räumen, dann gehen die Bauarbeiten los. Da inzwischen mehr als 60 Tonnen Erde auf der Lucie lagern, werden wir viel Unterstützung benötigen. Wir melden uns, wenn wir einen geaueren Plan haben und hoffen, dass ihr dann bereit seid :D





2) Ein zweites Lucie-Projekt steht in den Startlöchern!

Es gibt noch mehr Neues. Wir haben einen umfangreichen Förderantrag bewilligt bekommen, der uns ermöglicht, für eine Projektlaufzeit von zunächst zwei Jahren ein Repair Café und eine Materialsammlung in Räumen direkt gegenüber der Lucie einzurichten. Ziel ist es, von dort aus nachbarschaftliche Klimaschutz-Projekte anzustoßen, einen Raum für Diskussion und konkretes Handeln zu öffnen und mit dieser neuen Infrastruktur auch den neuen Stadtgarten, die entsiegelte Lucie, zu unterstützen!

Also - das geht ab, oder??? Bei alldem was ansteht und kommen wird, freuen wir uns über jedes neue Gesicht! Wenn ihr aktiv werden wollt: Wir brauchen euch!

Bis bald
eure Lucies

26. Juli 2017

[Bilder] Honigernte

Summ summ summ - schwirren eigentlich noch Bienen auf der Lucie rum?

Die Antwort ist ja! Den Bienen geht es gut, sie haben sich auch dieses Jahr gut entwickelt. Wir haben unser eines Volk im Frühjahr geteilt und einen Ableger gebildet.

Letzten Sonntag stand die Honigernte an

Dieses Jahr war wettertechnisch leider nicht besonders gut für die Bienen. Im April, wo die Obstbäume geblüht haben war es 4 Wochen lang kalt und die Bienen konnten keinen Nektar sammeln. Die Bienen konnten somit keinen Honig produzieren und die Obstbäume wurden in einigen Regionen fast nicht bestäubt, da Bienen 90% der Bestäubungsarbeit bei Obstbäumen übernehmen. Die Obtsbauern haben geklagt. An diesem aktuellen Beispiel zeigt sich noch einmal die Wichtigkeit der Bestäubungsarbeit der Bienen für den Menschen.


Wir waren gespannt, ob wir unter den Voraussetzungen überhaupt Honig ernten können und wurden nicht enttäuscht - ca. 5 kg Honig wurden es final - yeah! :-) Etwa die gleiche Menge haben wir den Bienen als Grundlage gelassen, sodass sie im Winter von ihrem eigenen gesunden Honig naschen können, der wichtige Vitamine und auch Stoffe gegen Krankheitserreger enthält.


Als nächstes nach der Honigernte müssen die Bienen jetzt mit organischen Säuren gegen die Varroamilbe, die unter anderm für das Bienensterben verantwortlich ist behandelt werden, sodass die Bienen auch den kommenden Winter unbeschadet überstehen. Hierbei ist die Biene auf die Unterstützung des Menschen angewiesen, da sie alleine die Varroamilbe nicht bekämpfen kann. Der Mensch und die Honigbiene sind heutzutage aufeinander angewiesen -es ist somit ein geben und nehmen.

Bei der ein oder anderen Veranstaltung in nächster Zeit wird vermtl. der Honig gegen Spende angeboten werden. Kommt vorbei!







18. Juli 2017

Es blüht so schön...

Jedes Jahr aufs Neue wunderschön: Lucies Blütenpracht! Oft ganz versteckt. Es lohnt sich also mal in Ruhe zu gucken!

Sozialer Kitt

Lena van der Kamp hat einen wunderbaren kleinen Film gedreht über die sozialen Aspekte von Urban Gardening Projekten in Deutschland. Wir von der Lucie sind auch dabei, aber das kuriose ist eigentlich, dass beim Sehen des Films gar nicht so sehr unterschieden werden kann zwischen den Garten-Projekten. Denn letztlich ist das Soziale eben doch überall ähnlich. Gärtnern verbindet!


12. Juni 2017

Viel los im Juni!

Im Juni haben wir noch drei schöne Veranstaltungen im Garten. Kommt gerne vorbei!

17. Juni , 17.30- 19.30 Uhr: Zusammen Essen am Tag der Offenen Gesellschaft! 

Rücken wir zusammen und sind wir zur Abwechslung mal #dafür!

Eine offene Gesellschaft gibt es nur dann, wenn genug Menschen für sie eintreten. Warum nicht einfach mal die Demokratie feiern? Mit einem riesengroßen Dinner…vielleicht sogar dem größten der Welt ?!
Am 17. Juni heißt es deutschlandweit: Tische und Stühle raus!
So auch auf der Lucie! Wir wollen ein große Tafel über die Lucie entstehen lassen und gemeinsam Essen, Reden, Feiern! Ihr seid ganz herzlich eingeladen auf den Platz zu kommen, Freund*innen/Familie/Bekannte/Interessierte mitzubringen und ein friedliches Zeichen zu setzen für eine offene Gesellschaft!
Das Essen: Jede*r bringt was mit, so dass wir eine bunte Mischung haben und sich alle überall bedienen können. Den Grill können wir auch anwerfen. Auch gerne Teller und Besteck mitbringen, da wir davon vielleicht nicht genügend haben. Getränke können wir gegen Spende anbieten.
Und sitzen? Wir haben einige Tische und Bänke. Wenn ihr mit vielen kommen wollt, dann bringt sonst einfach noch Tische mit oder wir improvisieren und machen ein Tafel-Picknick daraus :)

https://www.die-offene-gesellschaft.de/17juni/info

 

25. Juni, 11-16 Uhr: Flohmarkt und Gartencafé  

Aufbau ab 10h, keine Standgebühr, dafür gerne eine (vegane) Kuchenspende für das Garten-Café

 

30. Juni 19-ca 21 Uhr: Ganzheitliche Pflanzenwahrnehmung mit Sabine Gleichmann:


Die ganzheitliche Therapeutin und Schamanin Sabine Gleichmann aus Lünzen lädt uns ein, die Pflanzenwesen vom Lucie-Platz mit allen Sinnen zu erfahren. Dabei können wir viel über die Heilwirkung von Heilpflanzen lernen und auch einige Pflanzen schmecken, fühlen und energetisch wahrnehmen. Vielleicht entdeckst du eigene Zugänge zu deiner Pflanze?

Die Veranstaltung ist kostenlos, Spenden sind aber willkommen.

Ort: Lucie-Flechtmann-Platz
Zeit: 19 - 21 Uhr (evtl. länger)
Mitbringen: Getränke, Schreibsachen, Sitzunterlage

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Nähere Informationen: 05193/970103

27. April 2017

[Bilder] Das war der Lucie Saisonstart 2017!

Jetzt ist das 5. Lucie-Gartenjahr gestartet! Bei wirklich wechselhaftem Wetter war die Stimmung trotzdem super: Das Essen von WeserHolz und den zahlreichen Köch/innen war so viel und gut, dass niemandem so schnell kalt wurde. Das Kartoffelbeet ist bepflanzt, zahlreiche Stauden ahben ein neues zu Hause auf dem Platz gefunden, und die erste Brennesseljauche ist angesetzt. Außerdem haben wir unsere tollen neuen Infoschilder angebracht, die wir danke der Auszeichnung durch die Bürgerstiftung letztes Jahr endlich anfertigen lassen konnten: auf 5 Sprachen stellen euch 12 Schilder vor, was auf der Lucie so abgeht und wofür der Garten alles steht. Schaut mal vorbei - es lohnt sich!

















20. April 2017

Gutes Essen beim Saisonstart!

Liebe Leute,
wir haben euch noch gar nicht mitgeteilt, dass es beim Saisonstart am Sonntag besonders hervorragendes Essen geben wird: In einer Aktion von WeserHOLZ und dem Übergangswohnheim in der Grünenstraße 120 ist eine mobile Küche entstanden, die am Sonntag auf der Lucie eingeweiht wird. Das wird lecker!!
-- Spenden fürs Kuchenbuffet sind herzlich willkommen! --


Buchtipp "Umkämpftes Grün"

Heut gibt´s nen Buchtipp für die Theoretiker/innen unter euch. "Umkämpftes Grün", erschienen im transcript Verlag, beschreibt den Spagat von Projekten "von unten", die ausgerechnet von denen leicht vereinnahmt werden können, gegen die sie sich eigtl wehren möchten:
"In vielen Fällen zielt diese Einbeziehung nichtstaatlicher Akteur_innen weniger auf die partizipativen Rechte der Bürger_innen, sondern auf eine Auslagerung traditioneller staatlicher Verantwortungsbereiche auf zivilgesellschaftliche Organisationen"

Hochaktuell für uns Lucies - befinden wir uns doch gerade in Vertragsverhandlungen mit der Stadtgemeinde Bremen über die zukünftige Nutzung des Lucie-Flechtmann-Platzes!

Bild vom transcript-Verlag

Umkämpftes Grün

Zwischen neoliberaler Stadtentwicklung und Stadtgestaltung von unten


Urbane Gärten sind aus vielen Städten nicht mehr wegzudenken. Gemeinschaftlicher Gemüseanbau wird dabei oft als rebellischer Akt der Stadtgestaltung von unten verstanden. Gleichzeitig taucht »urban gardening« immer häufiger in Stadtentwicklungsplänen und Werbebroschüren auf.
Die Beiträger_innen des Bandes liefern eine kritische Analyse grüner urbaner Aktivitäten und ihrer umkämpften und widersprüchlichen Rolle in aktuellen Prozessen der Neoliberalisierung des Städtischen.

18. April 2017

Grünkohle gibt es nicht

Ironie pur: Vattenfall eröffnet einen Gemeinschaftsgarten für ein grüneres Berlin.

Ein Konzern, der mit Braunkohle und Atomkraftwerken Milliarden Gewinne auf Kosten von Natur und Gesellschaft eingefahren hat - und zur Zeit die BRD auf fünf Milliarden Euro Schadenersatz verklagt für „entgangene Gewinne" durch den Automausstieg.

Wir distanzieren uns von diesem Greenwashing-Quatsch, denn wir gärtnern nicht aus den gleichen Gründen wie Vattenfall. Es geht um mehr als ein paar Grünflächen!
Wir sind kein hipper Trend, dem die Stromquelle egal ist, sondern ein ernsthafter und dringend notwendiger Versuch, die Stadt von morgen zukunftsfähig und lebenswert zu gestalten. Deswegen haben wir das Urban Gardening Manifest unterzeichnet.
Wenn Vattenfall den Versuch ernst meint, als "grünes" Energie-Unternehmen aufzutreten, soll es doch zuerst seine Klage zurück ziehen.


Hier ein Statement von Berliner Gemeinschaftsgärtner/innen:


Vattenfall eröffnete am 1. April seinen „Gemeinschaftsgarten" in Berlin – Gartenaktivist*innen protestierten gegen den Greenwashing-Garten

Leider war es kein Aprilscherz: am 1. April 2017 eröffnete Vattenfall feierlich einen Gemeinschaftsgarten vor dem Heizkraftwerk in der Köpenicker Straße. Es herrscht aufgezwungen heitere Aufbruchstimmung. Zahlreiche Vattenfall-Mitarbeiter*innen räumen auf und legen Beete an. „Pflanz was!", dazu riefen bereits im letzten Sommer tausende Plakate von Vattenfall auf. Daran scheint zunächst nichts auszusetzen, engagieren sich doch viele Menschen für eine grünere Stadt. Allein in Berlin existieren 120 urbane Gärten: Gemeinschaftsgärten, Nachbarschaftsgärten, Selbsterntegärten, interkulturelle Gärten, Gartenarbeitsschulen.

Diese Gemeinschaftsgärten sind gut für die biologische Vielfalt, das Mikroklima, das Überleben der Bienen und auch für das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft. Ihre positiven Werte haben sich inzwischen weit rumgesprochen. Leider versuchen Marketingabteilungen unterschiedlichster Konzerne inzwischen immer aggressiver, sich die Bilder und Sprache der Urban Gardening Bewegung anzueignen, um sich ein grünes Image zu geben; auch wenn ihre Produkte und Unternehmenspolitik im krassen Gegensatz zu den sozialen und ökologischen Werten stehen, wie sie in Gemeinschaftsgärten gelebt werden. Nicht selten stehen die Unternehmen, die sich ein grünes Image geben wollen, für Industrialisierung der Landwirtschaft, Wachstumswahn, Klimakatastrophen und ungebremsten Konsum. Die Liste dieser Aneignungsbestrebungen ist inzwischen so illuster wie lang: IKEA, BMW, Aldi ..., um nur die bekanntesten zu nennen.  Gegen dieses sogenannte „Greenwashing" - das ökologische Aufhübschen des Unternehmensimages -  sowie die „zunehmende Privatisierung und Kommerzialisierung des öffentlichen Raums" wendet sich auch das Urban Gardening Manifest, das von über 200 Initiativen in ganz Deutschland unterstützt wird.

Das schamlose Kopieren und Vereinnahmen der urbanen Gärten zu Werbezwecken wirkt zwar auf den ersten Blick ungewollt komisch, aber insbesondere auch die damit verbundenen teuren Kampagnen stellen eine Bedrohung für die urbane Gartenbewegung dar. Die politischen, sozialen und ökologischen Ziele, für die sich Menschen in den Gärten meist ehrenamtlich einsetzen, drohen in den Hintergrund gedrängt zu werden.

Berliner Gartenaktivist*innen setzten deshalb ein Zeichen gegen die peinliche Gartenaktion von Vattenfall. Eine Gruppe von etwa 20 Gartenaktivist*innen wollte das Bild der harmonischen Gartenarbeit nicht unkommentiert stehen lassen und hat Schilder wie „Ey Vattenfall, Grünkohle gibt es nicht!" in die für die Eröffnung bereitgestellten Kameras gehalten. Mit Schwämmen und Bürsten bewaffnet, wurde der Bürgersteig vor dem eingezäunten Garten „grün gewaschen". „Aber Vattenfall will doch dasselbe wie ihr: Urban Gardening", stellt eine Besucher*in erstaunt fest. Gelegenheit sich über die Unterschiede zu unterhalten und deutlich zu machen, dass das Engagement für soziale und ökologische Gerechtigkeit mit den Unternehmenspolitik Vattenfalls nichts zu tun hat.
Mit dem vermeintlichen „Nachbarschaftsgarten" soll gezielt davon abgelenkt werden, dass das Energieunternehmen zu den größten Umwelt-, Gesundheits- und Klimaschädigern in der Region gehört. Sein Geld hat es nicht zuletzt mit der Verfeuerung von Braunkohle aus der Lausitz verdient, bekanntlich einer der klimaschädlichsten Formen der Energiegewinnung überhaupt. Dagegen hat im letzten Jahr die Kampagne „Ende Gelände" einen breiten Protest mobilisiert. Nachdem Vattenfall nun sein schmutziges Braunkohlegeschäft an ein als „Energieheuschrecke" verrufenes Unternehmen weiterverkauft hat, will Vattenfall nun offensichtlich sein Image mit urbanen Gärten aufputzen. Während Vattenfall sich klammheimlich von seinen Altlasten befreit und von dem Neueigentümer kein Einsatz für Klimagerechtigkeit, Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie das Reparieren der Schäden in der Region zu erwarten ist, wird jetzt billige Symbolpolitik betrieben statt, echte Verantwortung zu übernehmen. Wer über Jahrzehnte Millionen mit dem ungebremsten Verfeuern fossiler Energieträger verdient hat und dies auf Kosten des Klimas, der Umwelt und zukünftiger Generationen, der kann sich nicht einfach mit ein paar symbolischen Gärten von dieser Verantwortung reinwaschen.

Gemeinschaftsaktion der Berliner Gemeinschaftsgartenbewegung 13.04.2017


Weiterführende Links:


Urban Gardening Manifest:
http://urbangardeningmanifest.de/

Netzwerkseiten von urbanen Gärten
https://anstiftung.de/
https://gruenanteil.net/
http://stadtacker.net/SitePages/Homepage.aspx

Vattenfall-Garten, Selbstdarstellung:
http://pflanz-was.vattenfall.de/
https://www.youtube.com/watch?v=NoI6GpXZjqk

Urbane Gärten leisten Widerstand gegen Vereinnahmung
http://www.nachbarschaftsakademie.org/event/urbane-gartenbewegung-immer-diese-widersprueche/
http://www.allmende-kontor.de/images/allmende/pdf/2016-09-26_Aldi_Statement_des_Allmende-Kontors.pdf

Ende Gelände
https://www.ende-gelaende.org/de/